Koolo-Hinde 6:
Der zehnte medizinischer Hilfseinsatz von Mango e.V.
Vom 14.01. - 05.02. 2011 führte Mango e. V. den 10. medizinischen Hilfseinsatz in
Guinea/Westafrika durch. Er fand nun zum 6. Mal im eigenen OP-Zentrum in Koolo-
Hinde statt.
Es konnten neben erfahrenen Medizinern auch 3 neue Teammitglieder gewonnen werden. Diese waren:
- Frau Evelyn Jost, OP-Schwester
- Frau Sandra Becker, OP-Schwester
- Herr Dr. med. Hakim Said Elhadj, Chirurg
Die erfahrenen Teilnehmer waren:
- Frau Dr. Angelika Trabert, Anästhesistin
- Frau Dr. Michaela Geers, Anästhesistin
- Frau Anke Wiener, Krankenschwester ( Anästhesie und Intensiv)
- Herr Dr. Rainer Boettge, Chirurg
- Herr Bailo Barry, Organisation, Übersetzen
- Herr Andreas Schulze, OP-Pfleger
Leider konnte uns unsere langjährige Gynäkologin Frau Dr. Angelika Barth diesmal
nicht begleiten. Das Fehlen von Frau Dr. Barth, als 3. operativ tätige Ärztin fiel
erheblich ins Gewicht.
Mit der Teilnahme von Frau Barth am nächsten Einsatz glauben wir, die optimale
Größe und Zusammensetzung für die medizinischen Einsätze in Koolo-Hinde
gefunden zu haben.
Die Vorbereitung gestaltete sich in Deutschland routiniert. Da das Material beim
letzten Einsatz erst am letzten OP-Tag auf Grund logistischer Probleme ankam,
konnten wir beim jetzigen Einsatz darauf zurückgreifen. Fehlende Materialien und Medikamente wurden im Gepäck mitgenommen.
In Koolo-Hinde gestaltete sich die Vorarbeit etwas aufwendiger. Es waren
Reparaturen am OP-Zentrum notwendig. So wurden Undichtigkeiten am Dach
festgestellt, durch die es hineinregnet. Für die Unterbringung des Teams mussten
verschiedene Dinge ersetzt werden. Die Reparaturen wurden durch unseren Partner
in Guinea El Hadj Oumar Barry im Herbst 2010 organisiert. Bailo Barry reiste im
Oktober zur Klärung offener Fragen in Bezug der Sanierung des OP-Zentrums und
zur Vorbereitung des Einsatzes nach Koolo-Hinde.
Die Übernachtung im Hotel nach Ankunft in Conakry sowie der Transport nach Koolo
wurde wie gewohnt zuverlässig durch Lamine Diallo, der uns bis nach Koolo Hinde
begleitete, organisiert.
Am Abend des 15.02.2011 traf das Team in Koolo ein und wurde herzlich
empfangen.
Nach einem Aufbautag wurde der OP-Betrieb aufgenommen.
An 13 OP-Tagen führten wir 104 Operationen durch. Es kam zu keinerlei uns
bekannten Komplikationen. Die Berufsgruppen arbeiteten professionell und auch
fachübergreifend zusammen. Die Gruppe fand schnell zusammen und ich empfand
ein erfrischendes und motivierendes Arbeiten aller Personen.
Das Spektrum umfasste diesmal hauptsächlich Leisten-, Hoden- und Nabelbrüche,
Fettgeschwulste und stark vergrößerte Schilddrüsen. Auf gynäkologische
Operationen musste bis auf eine Ausnahme (Fistelrevision) verzichtet werden.


Ein verstärktes Augenmerk wurde auf die bevorzugte Versorgung von Kindern und
Jugendlichen gelegt.
U.a. wurde ein 4-jähriger Junge operiert, der unter erheblichen
Bewegungseinschränkungen durch die Narbenbildung nach einer Verbrühung des
linken Armes litt. Die Narben wurden aufwendig korrigiert.


Ein weiterer Junge erlitt vor 2 Jahren eine offene Fraktur des rechten Schienbeins,
welche unversorgt und weiterhin nicht mit Haut bedeckt war. Durch Resektion von überschüssigem Knochen konnte ein sekundärer Wundverschluss eingeleitet
werden. Bis zu unserer Abfahrt wurden tägliche Verbandswechsel in
Analgosedierung (leichte Narkose) durchgeführt.


Zwei weiteren Kindern konnten seltene Tumore entfernt werden, die in Frankfurt
untersucht wurden.
In die weitere Versorgung der kleinen Patienten wurde M. Conte (lokaler
Krankenpfleger) unterwiesen und mit Material ausgestattet.
Leider mussten wir feststellen, daß die medizinische Versorgung der
Landbevölkerung sich eher verschlechtert als verbessert hat. Die wirtschaftliche
Notlage der Menschen ist auch hier offensichtlich.
Wir sind weiterhin mit eindrucksvollsten Befunden eigentlich normaler Erkrankungen
konfrontiert. Der Patientenstrom scheint nicht abzureissen. Wieder mussten
Patienten unversorgt zurückgelassen werden.
Die Notwendigkeit eines weiteren Unterkunftshauses für die Patienten und deren
Angehörige wurde umso mehr deutlich. Durch die hohe Anzahl der Patienten
mussten Angehörige teils auf dem Boden oder vor dem Poste de Santé übernachten.
Der Besuch des Stadtkrankenhauses in Dabola machte die begrenzte
Leistungsfähigkeit des staatlichen Gesundheitswesens deutlich. So wurde uns
berichtet, dass in Dabola keine Intubationsnarkose möglich sei. Das Krankenhaus
wurde von uns vor unserer Abreise mit Material und Geräten unterstützt. Wir
vereinbarten eine Kooperation für den nächsten Einsatz. So haben wir den
operierenden Chirurg aus Dabola zur Hospitation eingeladen.
Weiterhin konnten wir eine Zusammenarbeit für nächsten Einsatz mit dem in
Conakry tätigen aus Guinea stammenden HNO- Arzt Dr. Keita verabreden. Dieser
besuchte uns in der ersten Woche unseres Aufenthaltes. Dr. Keita assistierte bei
mehreren Schildrüsenoperationen und führte auch selbst Eine aus.
Gerade auf dem Gebiet der Schilddrüsenchirurgie ist eine Zusammenarbeit sehr
lohnenswert, weil dieses Krankheitsbild in der Region des Fouta Djallon auf Grund
von Jodmangel gehäuft auftritt. Dr. Boettge operierte 21 Patienten an ihrer stark
vergrößerten Schilddrüse. So waren einige Präparate nicht selten um die 1000 g
schwer. Im ganzen Land ist es nur vereinzelt möglich, diese Operation durchzuführen.
Während des Einsatzes besuchte uns zum ersten Mal der Präfekt aus Dabola. Er
brachte seine Anerkennung und Dankbarkeit der Bevölkerung zum Ausdruck.
Die Betreuung des Teams während des Einsatzes war exzellent organisiert. Es
wurden wieder eine Köchin, eine Wäscherin und mehrere Reinigungs- und Hilfskräfte
eingestellt. Wir konnten auf bewährte Helferinnen bei der Instrumentenaufbereitung
zurückgreifen.
Die Vorbereitung des Einsatzes durch El Hadj Oumar Barry (Kauf und Transport von Lebensmitteln, Baumaterial für die Reparatur des OP-Zentrums) erwies sich als sehr
aufwendig und kostenintensiv.
Durch die unsichere Situation im Lande - im Zuge der Präsidentenwahl im Herbst
2010 in Guinea - stiegen die Preise für Lebensmittel und Kraftstoff erheblich.
Die Kosten dieses Einsatzes erwiesen sich mit knapp über 21.0000 € höher als
erwartet, wobei durch Reparatur des OP-Zentrums und Renovierung der Unterkünfte
einmalige Kosten (3480,00 €) zu tragen waren. Des Weiteren sind jährliche Kosten
(Gehälter vom Hausmeister Didi und El Hadj Oumar Barry) in Guinea von insgesamt
1500 € zu tragen.
Dem Einsatz direkt zu zuordnen sind ca. 15.000,00 €.
Mango wurde durch guineische Behörden auferlegt, geringe Gebüren für
Untersuchungen und Operationen zu erheben. Dieses Geld wurde zur Entlohnung
der einheimischen Hilfskräfte verwendet.
Leider mussten wir erfahren, daß der langjährige Krankenpfleger des örtlichen
Gesundheitspostens M. Condé durch M. Soumah abgelöst wurde.
Bei unserer Ankunft stellten wir den ungeklärten Verlust mehrerer Matratzen, die
Mango zur Verfügung stellte, im Poste de´Sante fest.
Bedauerlicherweise kam es auch zu Unregelmäßigkeiten bei der Zusammenstellung
der Patientenlisten der einzelnen Dörfer.
Daraufhin wurde M. Soumah durch die lokalen Behörden abgelöst. M. Condé unterstützte uns nun für die Zeit unseres Einsatzes kompetent und hilfsbereit.
Wir hoffen für die Zukunft auf eine kompetente und zuverlässige Besetzung der
Position des Krankenpflegers des Dorfes.
Ein Thema dieses Einsatzes war die Vorbereitung zum Bau des neuen
Patientenhauses.
Mit den Repräsentanten des Dorfes wurde ein geeigneter Bauplatz in unmittelbarer
Nähe des Zentrums gefunden und besichtigt.
Letzte Änderungen am Projekt wurden an den Bauingenieur nach Conakry übermittelt, der den endgültigen Bauplan erstellen wird. Die Finanzierung wurde
besprochen und eine Bezahlung nach Bauabschnitten vereinbart. Die Organisation
der Bauphasen und die Überwachung der Arbeiten übernimmt El Hadj Oumar Barry.
Mit den Dorfbewohnern wurde vereinbart, daß diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten
Ziegel und Schotter liefern. Wir besprachen die Nutzung des Hauses während
unserer Abwesenheit (Wohnmöglichkeit für Lehrer, Lagerplatz für Lebensmittel der
Schulspeisung). Die Repräsentanten des Dorfes sicherten die Übernahme der Verantwortung für den Erhalt und Betrieb des Hauses zu.
Wir denken, daß der Bau in diesem Jahr abgeschossen wird. Im Jahr 2012 kann mit
der Zusammenstellung der Einrichtung des Patientenhauses und der Organisation
des nächsten Einsatzes begonnen werden, welcher für Januar/Februar 2013
anvisiert ist.
Für diesen Einsatz ist die Entsendung eines Materialcontainers notwendig, da das
medizinische Verbrauchsmaterial in Koolo-Hinde nahezu aufgebraucht ist.
Allen Spendern und Unterstützern sei im Namen der Menschen in der Region
Koolo-Hinde/Dogomed gedankt. Durch großzügige Spenden steht Mango momentan
auf einer soliden Basis. Da einige medizinische Geräte (Absauger und
Infusionspumpen) nach dem Einsatz nicht mehr funktionierten, müssen diese ersetzt
werden. Dafür und auch für den Bau des Unterkunftshauses sind wir weiterhin auf
großzügige Spenden angewiesen.
Diesen Bericht können SIe sich hier als PDF herunterladen.
Weiter Bilder von diesem EInsatz finden Sie hier. |