Koolo-Hinde VI

Koolo-Hinde V

Koolo-Hinde IV

Koolo-Hinde III

Koolo- Hinde II

Koolo-Hinde I

Dogomet IV

Dogomet III

Dogomet II

Medizinereinsatz im neu errichteten Operationszentrum

Erster Einsatz in Koolo Hinde

Dezember 2000 bis Januar 2001

Dies ist eine gekürzte Fassung des Berichts vom Einsatz "Koolo Hinde 1". Die vollständige Fassung steht als PDF (109 kb) zum Download bereit.

Vorbereitungen in Deutschland

Im Hinblick auf den Materialbedarf gab es diesmal zwei Probleme: einerseits wussten wir, wie immer nicht genau, wie viel brauchbares Material noch in Guinea war, andererseits galt es, ein neues OP - Zentrum in Betrieb zu nehmen. Jeder hat also versucht, soviel wie möglich und so gezielt es ging Material zu beschaffen. Insbesondere wurde dies von Frau Driesen und Dr. Barry für den Bereich Zentrumseinrichtung und vor allem von Frau Rössling mit starker Unterstützung durch die Universitätsklinik Heidelberg geleistet. Neben verschiedenen Geräten und Wagen voll Wäsche konnte insgesamt ein 7,5 Tonnen - LKW in Heidelberg geladen werden. Vor allem einige Team-Mitglieder sowie zahlreiche andere Personen haben den Rest dazu beigetragen, dass im Oktober 2001 ein 40 Fuß Container beladen werden konnte.

Es sei auch darauf verwiesen, dass in diesem für MANGO entscheidenden Jahr viele große und kleine Spenden eingegangen sind, so dass der Einsatz auch finanziell abgesichert war. Dafür allen ein herzliches Dankeschön!

Als der Container nun endlich den Zielhafen erreicht hatte, fingen die üblichen Probleme an. Dabei wurde erneut deutlich, dass Guinea die administrativen Probleme (Dummheit und Korruption) noch nicht überwunden hat. Für das Löschen des Containers sowie die Überführung der Ladung nach Koolo Hinde sind wir unserer Partnerorganisation ADSD und deren Präsident, zugleich dem Repräsentanten von MANGO, El Hadj Alpha Oumar Barry, dankbar. Die Höhe der Rechnungen in diesem Zusammenhang wird noch überprüft.

Das Team bestand diesmal aus folgenden Personen:

  • Ute Rössling , OP- Pflegerin
  • Andrea Scheltdorf, Op - Pflegerin
  • Angelika Barth, Gynäkologin
  • Irmgard Driesen, Krankenschwester
  • Manuela Pohlen, Krankenschwester
  • Marga Günther, Sozialarbeiterin
  • Peter Knüpfer, Anästhesist
  • Christian Hausséguy, Chirurg
  • Andreas Schulze, OP - Pfleger
  • Charly Hofmann, OP - Pfleger
  • Alimou Barry , Chirurg
  • Gerald Heinbuch, Anästhesist

Vorbereitungen in Guinea

Nachdem der Container wie bereits oben beschrieben in Koolo Hinde angekommen war, galt es für Irmgard Driesen und Dr. Barry, in nur vier Wochen das gesamte Material in das mittlerweile fertig gestellte Lager und in das OP-Zentrum einzuräumen. Darüber hinaus gab es eine Menge an kleinen und großen Verbesserungen im Zentrum vorzunehmen. Hier wurde ganze Arbeit geleistet!

Erstmals hat MANGO e.V. für seine Leistungen Gebühren eingenommen. Dies beruht auf einer Forderung der Regierung und war Bedingung für die Betriebsgenehmigung des Zentrums. MANGO hat sich dabei an den in den Referenzkrankenhäusern üblichen Sätzen gerichtet und ist dabei unter diesen Preisen geblieben. Patienten werden in Guinea nur versorgt, wenn sie das dafür nötige Geld haben. Sozialsysteme gibt es nicht. MANGO hat sich erlaubt, Notfälle sowie ersichtlich arme Menschen weiterhin kostenlos zu behandeln. Marga Günther und Irmgard Driesen kümmerten sich um die Erfassung und Dokumentation der Patienten und verwalteten die Einnahmen. Für eine allgemeine Untersuchung betrug die Gebühr umgerechnet 1,20 DM, eine gynäkologische Untersuchung 6 DM und eine Operation kostete etwa 35 DM.

Die Einnahmen betrugen umgerechnet 3.300 DM. Da die Regierung Guineas keine Vorschriften zur Verwendung dieser Gelder macht, obliegt es dem Vorstand von MANGO, über deren Nutzung zu entscheiden. Im Wesentlichen wurden davon Helfer des Projekts vor Ort bezahlt. Ein Teil wurde zur Förderung einzelner Patienten mit gravierendem Schicksal verwendet und ein weiterer Teil floss in die Deckung der laufenden Kosten des Projekts vor Ort mit ein. Eine entsprechende Abrechnung liegt gesondert vor.

Die Statistik

Insgesamt wurden 114 Operationen durchgeführt. Davon waren

12 Patientinnen mit Blasen - Scheiden - Fisteln,
6 mit Gebärmuttervorfällen
4 Kaiserschnitte
3 Sterilisationen.

Allgemeinchirurgisch dominierten wie immer die

Leistenbrüche mit 62,
12 Schilddrüsen,
4 Hämorrhoiden,
3 Blinddärme,
7 Fettgeschwulste
1 Beinamputation.

Bei zwei Patienten hatte sich nach der Operation ein Bluterguss gebildet, welcher nachoperiert wurde. Wundinfektionen wurden keine bekannt. 72 Narkosen wurden durchgeführt, 42 Patienten in Lokalanästhesie behandelt. Unter den Narkosen waren 25 Vollnarkosen und 47 rückenmarksnahe Regional-Anästhesien (Spinale und Peridurale). Bei 4 Patientinnen wurden die Periduralkatheter zur Schmerztherapie nach Operation genutzt. Außer zwei Patienten mit Kreislaufproblemen, die schnell behoben werden konnten, gab es keine Narkosezwischenfälle. Die anderen Patienten wurden nach Operation mit Schmerzmitteln in der Infusion therapiert, was gute Ergebnisse brachte. Das Verhältnis der Geschlechter war ausgewogen, jedes Dorf wurde berücksichtigt. 19 Patienten kamen von außerhalb der Sous-Präfektur Dogomet, zum Teil aus Conakry, Labé oder Kissidougou, mehrere hundert Kilometer entfernt gelegen.

Außerdem wurden 25 Patientinnen gynäkologisch untersucht und beraten. 117 Patienten aus allen Regionen wurden allgemein untersucht und zum Teil auch allgemein behandelt, zum Beispiel mit Antibiotika.

Besonderheiten

An einem Tag wurde ein etwa fünfjähriger Junge gebracht, der am Kopf, Hals Brust und Bauch größtenteils drittgradiger Verbrennungen aufwies, die er sich fünf Tage zuvor, als sein Hemd Flammen fing, zuzog. Er war zunächst traditionell mit Rindenmulch behandelt worden, sein Zustand war sehr schlecht. Die Therapie bestand in intravenöser Gabe von Flüssigkeit und Antibiotika sowie Überwachung am Monitor und Lagerung im metallenen Tuch. Am Nachmittag wurde er aufgrund eines toxischen Lungenödems beatmungspflichtig, so dass die Aufwachzone kurzfristig in eine Intensiveinheit verwandelt wurde. Am Abend war der Zustand äußerst kritisch, so dass Dr. Knüpfer und Andrea Scheltdorf, die sich den ganzen Tag gekümmert hatten, mit dem Team das weitere Vorgehen besprachen. Mangels Sauerstoffflasche und aufgrund seines Zustandes war der Junge nicht verlegbar. Außerdem war im 50 Kilometer entfernten Dabola auch nicht sicher Sauerstoff vorhanden und einen zehnstündigen Transport in die Hauptstadt Conakry hätte er nicht überlebt. Aufgrund der eingeschränkten eigenen Möglichkeiten und der sich verschlechternden Prognose, wurde beschlossen, dass der Junge mit Schmerzmittel versehen in ein ruhiges Zimmer im Poste de Santé verlegt wurde. Zwei Stunden später starb er. Dieser Verlauf hat das Team betroffen gemacht. Jedoch muss jedem klar sein, dass er wahrscheinlich auch in Europa keine Chance gehabt hätte.

Nouhou ist zwölf Jahre alt und kommt aus Sarifoula Bafing, einem zwanzig Kilometer im Busch gelegenen Dorf. Sie wurde von ihrem sehr fürsorglichen Vater gebracht, weil sie seit langem einen Infekt im linken Bein hat, der das Schienbein dergestalt angegriffen hatte, das dieser Knochen nach außen heraus bröselte und bald zu brechen drohte.

Nach eingehender Untersuchung kam als Behandlung nur noch eine Amputation in Frage. Nouhou und ihr Vater wurden darüber aufgeklärt und bekamen Bedenkzeit. MANGO sicherte die Kostenübernahme für eine Prothese zu. Nach drei Tagen kamen sie wieder. Nouhou selbst wollte dieses Bein nicht mehr und ihr Vater war auch für die Amputation. Nouhou wurde also vorbereitet, sie bekam einen periduralen Schmerzkatheter im Rücken und Antibiotika.

Die Operation wurde in Vollnarkose unkompliziert durchgeführt. Schon bald war sie wieder wohlauf, der Schmerzkatheter kam heraus und Nouhou übte Laufen an Krücken. Sie lernte dies schnell und kam immer zum Verbandswechsel, war eigentlich täglich beim Team. Marga Günther beschäftigte sich viel mit ihr und sah, dass Nouhou in eine Schule gehen muss, damit sie später eine Chance haben wird, weil die Feldarbeit für sie nicht mehr möglich ist.

Etwa zeitgleich wurde eine Lehrerin aus Dogomet wegen Kinderwunsch untersucht. Sie beschäftigt sich in der chlosen Kindern. Ein Kontakt wurde hergestellt und dann war die Lehrerin sowie ihr Mann geneigt, Nouhou aufzunehmen und zu unterrichten. Das Team sammelte Geld für den Unterhalt von Nouhou und am letzten Tag fuhren alle gemeinsam nach Dogomet, um Nouhou, die vorher noch nie in der Stadt war, in ihrem neuen Zuhause abzugeben. In Conakry wurde auch die prothetische Versorgung bereits geklärt. Mit Hilfe der Partnerorganisation ADSD wird Nouhou auch weiterhin von MANGO unterstützt. Der Stand im Jahr 2003 nach unserem letzten Einsatz ist folgender: Nouhou lebt weiterhin bei der Lehrerin. Ihr wurde bereits die 2. Prothese angepasst. Sie geht in die Schule und wächst zu einer jungen Frau heran.

Fazit

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob der Einsatz ein Erfolg war. Die Antwort bleibt schwierig. Letztlich kann man als Maß zwei Dinge heranführen: einerseits die Akzeptanz durch die Patienten und die Bevölkerung, die für alle spürbar vorhanden ist. Und andererseits durch die Zufriedenheit des Teams, was sich dadurch ausdrückt, dass viele Teammitglieder wieder mitkommen. Diese Tatsachen geben MANGO die Kraft, weiterzumachen. Das lässt sich als Erfolg bezeichnen.

Das Zentrum hat gut funktioniert. Nachdem das Team abgereist war, wurde es abgeschlossen. Didi Beli wurde von MANGO angestellt, es zu bewachen und in Ordnung zu halten. Diese Maßnahme ist notwendig, damit das nächste Team sicher sein kann, dass alles an seinem Platz ist und funktioniert. Vor allem die Wasserzufuhr, die ein Drittel der Baukosten ausmachte, ist ein sensibler Punkt, der besonderer Wartung bedarf.

Das angrenzende Ambulatorium (Poste de Santé) mit 12 Betten und einem Untersuchungszimmer, das von Pfleger Oumar betreut wird, bleibt offen.

Ob und inwieweit das Zentrum ganzjährig betrieben werden kann, wird noch Gegenstand einiger Diskussionen sein. Der abgelaufene Einsatz zeigte zwar die Notwendigkeit des Projekts, deckte aber auch einige Schwierigkeiten auf, die sowohl im Land als auch im Verein überwunden werden müssen. Solange noch keine Klarheit darüber herrscht, was das Zentrum leisten soll, wer dies tun soll und wie das ganze logistisch und finanziell zu schaffen ist, plant MANGO zunächst weitere einzelne Einsätze mit Spezialisten.