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Koolo-Hinde IV Koolo-Hinde III Koolo- Hinde II Dogomet III |
Der dritte medizinischer Einsatz in Dogomet vom 27.12.1997 bis zum 17.01.1998 in Zusammenarbeit mit der Association pour le Developpement de la Sous-Préfecture de Dogomet "ADSD, Dogomet/Guinea" Vorbereitung und Finanzierung Erneut galt es, für den geplanten Einsatz ein Team zusammenzustellen, finanzielle Mittel zu organisieren und, an den bereits gewonnen Erfahrungen orientiert, medizinisches Material zu sammeln. Zu den erfahrenen Teammitgliedern [Dr. Baba Alimou Barry (Chirurg, Organisation) Irmgard Driesen (Krankenschwester), Marga Günther (Organisation), Sabine Kasimir (OP-Schwester), Dr. Gerald Heinbuch (Anasthesist, Organisation) und Stefan Willert (Internist)], kamen durch persönliche Kontakte fünf neue Mitglieder hinzu: Andreas Schulze (OP-Pfleger), Frau Dr. Angelika Rauch (Zahnärztin) und Herrmann Schmidt (Zahnarzthelfer und Fotograf), Dr. Christian Osmer (Anästhesist) und Dr. Walter Kierer (Chirurg). Diese Konstellation ergab sich im Laufe des Jahres 1997. In vier Vorbereitungstreffen wurde das Team auf die Reise vorbereitet. Terminplan, Visa, Flüge sowie Unterkunft wurde durch MANGO organisiert. Die Finanzierung einer medizinischen Aktion dieser Größe wurde mit ca. 40.000,- DM veranschlagt. Die finanziellen Mittel, die MANGO zur Verfügung stehen, rekrutieren sich ausschließlich aus Spenden. Einerseits durch intensive Öffentlichkeitsarbeit, andererseits durch Wohlwollen von Freunden des Vereins aber auch durch Firmen und letzten Endes durch eine Vielzahl an Spendern kleinerer Geldsummen war die Finanzierung des Projekts bereits am Beginn der Planung gesichert. Organisation vor Ort Wie bei den Einsätzen zuvor, stellte das Centre de Sante' in Dogomet Räumlichkeiten zur Verfügung in denen gearbeitet wurde. Diesmal waren es: zwei OP-Räume, zwei Lagerräume, ein Behandlungsraum für die Zahnärztin und ein allgemeinärztlicher Behandlungsraum. Der Arzt, mit dem wir in den Jahren zuvor zusammengearbeitet hatten, war von Dogomet nach Mamou versetzt worden. Die Leitung des Zentrums obliegt nun einem Pfleger, Herrn Bah. Dieser Wechsel in der Leitung hat einen gewissen Verfall des Zentrums zur Folge. Die Wasserpumpanlage war nicht funktionsfähig, weil Herr Bah sich nicht um die Reparatur der Anlage kümmerte. Bei Ankunft des Teams schien das Zentrum verlassen, die Krankenzimmer waren mit Material voll gestopft und abgeschlossen. So waren die Bedingungen für den Einsatz insgesamt schlechter als beim letzten Mal. Helfend standen uns ein Teil der im Centre de Sante' arbeitenden Schwestern zur Verfügung. Ebenso stand uns Herr Dr. Diallo zur Seite, Betriebsarzt der iranischen Bauxitmine von Dogomet. Er konnte bei vielen Operationen sein medizinisches Spektrum erweitern. Da nicht alle Teammitglieder französisch sprechen, waren Übersetzer nötig. Im operativen Bereich konnte Dr. Barry dies weitgehend übernehmen. Im zahnärztlichen Bereich fand sich für diese Aufgabe ein Schüler aus Conakry, dem Internisten stand der Präsident der Partnerorganisation zur Seite. Besonders erfreulich war die Mitarbeit eines Schülers aus Dogomet, der beim letzten Einsatz am akuten Blinddarm operiert wurde. Nach eintägiger Einrichtungsphase und des Materialsortierens begann der operative Einsatz am 30.12.97 und endete am 12.1.98. An Sonntagen dazwischen wurde nicht operiert oder behandelt. Jeweils am Vortag wurden die Patienten chirurgisch und anästhesiologisch gesehen. Für die Zahnärztin und den Internisten wurden gesonderte Listen angefertigt. Die Unterbringung und Verpflegung des Teams wurde von der Partnerorganisation organisiert und erfolgte wieder im neun Kilometer entfernt liegenden Koolo Hinde. In der Regel wurde Koolo Hinde um 8:30 Uhr verlassen, die Arbeit im Centre de Sante von Dogomet um 9:00 Uhr aufgenommen. Neben organisatorischen Dingen wie Bereitstellen von Strom und Wasser, Sterilisation von Instrumenten oder Vorbereitung von Narkose musste zunächst die Visite der am Vortag operierten durchgeführt werden. Die Reihenfolge der Patienten richtete sich weitgehend nach den erstellten Listen. Trotz Ramadan wurde das Team jeden Mittag mit einer warmen Mahlzeit von der Bevölkerung in Dogomet versorgt. Der Arbeitstag endete mit der Untersuchung der Patienten für den nächsten Tag und einer erneuten Visite, selten nach Einbruch der Dunkelheit. Operationen und Behandlungen An 12 OP-Tagen wurden 114 Operationen bei 108 Patienten vorgenommen. Darunter waren 63 Leistenbrüche, 2 Hydrozelen, 9 Schilddrüsen, 5 Gebärmutterentfernungen bei Vorfall, 6 Blasen- bzw. Analfisteln, 2 Blinddarmoperationen, 1 Laparotomien mit Darmnaht, 8 Lipome, 3 versch. Fibrome, 1 Penisamputation, 5 Wundversorgungen, 2 Tubenligaturen, 2 gynäkologische Untersuchungen und jeweils ein Parotistumor, Hämorrhoiden, Spritzenabszeß, Zungenbändchen, Panaritium. 34 Frauen und 74 Männer wurden operiert mit einem Durchschnittsalter von 46,5 Jahren. Verbandswechsel und Entfernen von Fäden wurden täglich parallel vorgenommen. Immer wurden interessierte Pflegekräfte nach Möglichkeit ausgebildet. Unterricht fand von einfachem Verbandswechsel bis zum Entfernen von Blasenkathetern statt. Da die meisten keinerlei Ausbildung haben, gestaltete sich diese Tätigkeit sehr zeitaufwendig. Im Hinblick auf die Weiterversorgung der Operierten nach Abfahrt des Teams erschien dies jedoch unerlässlich. Außerdem ist es das Anliegen von Mango, so weit wie möglich eine Ausbildung zu ermöglichen, wenn auch zur Zeit die Kontinuität noch nicht gegeben ist. Eine Herausforderung besonderer Art stellte sich dem Team am letzten OP-Tag: ein Patient mit einer riesigen Skrotalhernie in Begleitung seiner einzigen Verwandten (Mutter und Tante) stand vor der Tür. Das gigantische Skrotum wies Spuren einer Vor-OP sowie Schleifspuren des 35 Kilometer langen Fußmarsches auf. Dieser Patient wollte lieber sterben, als damit wieder zurücklaufen zu müssen. Über die OP-Indikation war das Team sich schnell einig. Nach einer 5-stündigen Operation waren wieder halbwegs normale anatomische Verhältnisse hergestellt; der Bruchsack enthielt mindestens 10 Liter Flüssigkeit, weitere 10 Kilo Bruchsackinhalt wurden entfernt. Allerdings führte ein Blutverlust von geschätzten 2 Litern zu Kreislaufinstabilität nach Extubation und Umlagerung. Nach medikamentöser Unterstützung des Kreislauf wurde unter anästhesiologischer Leitung 1100 ml Blut der Gruppe 0 negativ von zwei Teammitgliedern gespendet. Dem so stabilisierten Patienten ging es zum Zeitpunkt unserer Abreise gut. Die weitere Betreuung übernahm Dr. Diallo, mit dem wir in Kontakt bleiben. Zahnärztliche Tätigkeit Es wurden insgesamt 204 Patienten behandelt. Dabei wurden 196 Füllungen gemacht, die sich aus einflächigen (47), zweiflächigen (94) und dreiflächigen (55) zusammensetzen. Außerdem wurden insgesamt 506 Extraktionen durchgeführt, die sich wiederum aus einwurzeligen (99), zweiwurzeligen (215) sowie dreiwurzeligen bzw. tiefliegenden Wurzelresten(92) ergaben. Eine operative Entfernung von Wurzeln (Aufklappung) war bei 7 Patienten erforderlich, Spaltung von Abszessen bei 4 Patienten und jeweils bei einem eine Excision sowie eine Akut nekrotisierende ulcerative Gingivitis. Nachblutung ergab sich lediglich bei 2 Patienten, Wundheilungsstörung konnten bei 6 Patienten beobachtet werden. Eine chirurgische Nachbehandlung war bei 10 Patienten erforderlich. Eine medikamentöse Schleimhautbehandlung wurde an 9 und eine Zahnsteinentfernung bei 47 Patienten vorgenommen. Antibiotika wurden insgesamt 52 Patienten verabreicht. In Anbetracht des schlechten zahnhygienischen Zustandes der Patienten wurden insgesamt 380 Zahnbürsten und Zahncreme verteilt, jeweils mit einer Aufklärung darüber, wie diese zu benutzen seien. Besonders wichtig und erfolgreich erschien die Mundhygieneaufklärung mit Zahnputzübungen, die in drei Schulen durchgeführt wurden. Ein Resumeé Mit Dogomet 3 konnte wieder ein Schritt in Richtung des gesteckten Ziels gemacht werden. Mango befindet sich auf dem Weg, Mediziner-Einsätze dieser Größenordnung routiniert und reibungslos durchzuführen. Ohne besondere Komplikationen und Zwischenfälle konnten diesmal z. T. wesentlich größere Befunde operiert werden. Die Anzahl der operierten Patienten ist im Vergleich zum letzten Einsatz konstant geblieben, was eine genauere Planung für das nächste Mal zulässt. Erfreulich ist, dass das Spektrum um die Zahnmedizin erweitert werden konnte, da in diesem Bereich ein großes Defizit besteht. Besonders erfreulich war diesmal die Gruppendynamik im Team, die neben dem Erfolg auch viel Spaß gebracht hat. Es gilt, diese Konzeption weiter zu verfolgen und neben Geld- und Sachspenden weiterhin engagierte Fachärzte und erfahrene Pflegekräfte für die Mitarbeit während ihres Urlaubes zu gewinnen. Mit Freude sehen wir dieser Zukunft entgegen. |